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Musiktheater PDF Drucken

Seit 1986 gibt es an unserer Schule ein besonderes fächerübergreifendes Angebot: das Musiktheater der Klosterschule.
In mehr als 20 aufwendigen Produktionen, die so erfolgreich waren, dass sie bei mehreren Theaterfestivals (u.a. »Schultheater der Länder« in Bremen, »Theater Macht Schule« in Hamburg) gezeigt wurden, haben wir ein neues Konzept der fächerübergreifenden Zusammenarbeit entwickelt.
Lehrer für Darstellendes Spiel und Musik erarbeiten gemeinsam mit interessierten Schülern Drehbuch, Szenen und Musik für eine eigenständige Musiktheater-Produktion.
Wir setzen auf die kreativen Ideen der Schüler, die keine fertigen Vorlagen nachspielen, sondern Eigenes schaffen. An unseren Projekten wirken erfolgreich Schülerinnen und Schüler mehrerer Jahrgänge mit, so dass Kinder und Jugendliche mit sehr unterschiedlichen Interessen und Erfahrungen lernen, miteinander zu planen, zu proben, aufzuführen und nach der Premiere zu feiern.

Das "Musiktheater der Klosterschule" ist inzwischen eine Einrichtung unserer Schule geworden, die auch über die Schulmauern hinaus bekannt ist und beachtet wird. Trotz dieser langen Tradition hat es sich nie im musealen Wiederholen des scheinbar Bewährten erschöpft, sondern weist eine Entwicklung zu neuen, ungewöhnlichen Formen des Musiktheaters auf.

Das Besondere an unserem Musiktheater, in wenigen Sätzen zusammengefasst, ist unserer Meinung nach:

  1. fachübergreifende Arbeit der Bereiche Darstellendes Spiel und Musik
  2. Eigenproduktionen statt Nachspielen immer gleicher Vorlagen
  3. Entwicklung der Musiktheaterstücke als "work in progress"
  4. Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern in allen Phasen der Produktion
  5. jahrgangsübergreifende Teams von Klasse 6 bis zu Abiturienten

Die Produktionen entstehen innerhalb eines Schuljahres (August bis April/Mai). Die Teilnahme erfolgt entweder im Rahmen eines benoteten Kurses (Darstellendes Spiel bzw. Musikpraxis) oder einer freiwilligen AG. SchülerInnen können sich unabhängig von der Zugehörigkeit zu einem Kurs entscheiden , ob sie nur als Schauspieler oder Musiker agieren wollen oder in beiden Bereichen. Außerdem wird eine Planungsgruppe gebildet, in der interessierte Schüler sowie die beteiligten Lehrer u.a. Fragen zu szenischem Ablauf, Musik, Gesamtdramaturgie, Beleuchtung, Kostümen sowie Bühnentechnik besprechen.

Hier die Bilanz unserer Aufführungen:

1987 "Café Wahnwitz" Revue der 20er und 30er Jahre
1989 "Beatles, Barzel, Busslmi" Revue der 60er Jahre
1990 "Zu" Revue mit jüngeren Schülern zum Thema "Drogen"
1991 "Das Gerücht" politisches Musiktheater zu einem Vorfall in Hamburg-Wilhelmsburg
1993 "42" Musiktheater nach einer literarischen Vorlage des Science-Fiction-Autors Douglas Adams
1995 "Heute ist morgen schon gestern" experimentelles Musiktheater zum Thema "Zeit"
1997 "Müller´s Büro" Musical nach einer Wiener Vorlage
1998 "Games of [drækjul?]" Musiktheater nach Bram Stoker's Drakula
2000 "Stadt der Blinden" nach einem Roman von José Saramago
2002 "Pfaust" Musiktheater nach Goethes Urfaust
2004 "FRANZ WOYZECK"
2005 "Die Nibelungen"
2006 "Die 13 1/2 Leben des Käptn Blaubär"
2006 "Ein Sommernachtstraum"

Mit zwei dieser Aufführungen gastierten wir auch außerhalb der Schule. So war "Das Gerücht" der einzige Hamburger Beitrag zum "Schultheater der Länder" in Bremen. Mit "42" traten wir im Rahmen des Festivals "Theater macht Schule" in der Markthalle auf.

Rund 300 Schüler haben im Verlaufe dieser Zeit mitgewirkt, eine stattliche Anzahl von ‚Ehemaligen', von denen viele auch weiterhin "ihrem" Musiktheater treu bleiben, um sich ein Bild der Weiterentwicklung machen zu können..

Wie man an unserer Bilanz sieht, gehen wir bewußt einen anderen Weg als die klassischen Formen dieses Genres wie (Schul-) Oper oder Musical. Wir erarbeiten Eigenproduktionen, bei denen immer wieder neu überlegt werden muß, wie musikalische und szenische Elemente sich zusammenfügen können. Sicherlich ist es unabdingbar, daß gemeinsame Projekte dieser Art nur von LehrerInnen erarbeitet werden können, die Arbeit im Team schätzen und bereit sind, auftretende Probleme zu überwinden. In diesem Sinne versteht sich auch unser Team.

Schaut man hinter die Kulissen unserer Musikttheaterproduktionen, eröffnet sich einem ein vielfältiges Bild des Miteinander-Arbeitens, das die meisten der Beteiligten als sehr gewinnbringend erleben, auf das sie sich gerne zurückbesinnen.

Die folgende Darstellung von Stationen einer Zusammenarbeit läßt sich sowohl chronologisch (Von "Café Wahnwitz" bis zu "Heute ist morgen schon gestern") als auch methodisch verstehen: Chronologisch als Entwicklungsreihe einer allmählich enger werdenden Zusammenarbeit zweier Fachbereiche, methodisch als unterschiedliche Möglichkeiten des Einsatzes szenischer und musikalischer Mittel in einem gemeinsamen Projekt.

1. Getrennt üben, gemeinsam aufführen

Die einfachste Art der Zusammenarbeit ist es, in loser Folge Szenen und einstudierte Musikstücke (Songs, Chorwerke, Instrumentalstücke aller Stilrichtungen) aneinanderzureihen. Die Ergebnisse aus Theater- und Musikkursen werden gemeinsam präsentiert. Die Zusammenarbeit besteht lediglich in einer zeitlichen, evtl. auch schon thematischen Koordinierung (z.B.: Musik und Szenen zum Thema ‚Liebe'). Die Musik hat in diesem Fall die Funktion, Umbaupausen zu überbrücken, die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu erhalten, Szenen zu gliedern.

2. Gemeinsam planen und aufführen, getrennt proben

Diese Form der Kooperation findet sich meist in Revuen ("Beatles, Barzel, Busslmi" , "Zu"). Beteiligte Lehrer und gegebenenfalls eine interessierte Schülergruppe einigen sich auf ein gemeinsames Revue-Thema ("60er Jahre" oder "Sucht"), suchen Material in Form von Texten, Musik, Requisiten, Szenenabläufen etc., bearbeiten und ordnen diese im Sinne einer Gesamtdramaturgie. Hier werden die einzelnen Nummern der Revue noch getrennt erarbeitet und erst in den letzten Ablaufproben zusammengestellt. Dies ist nur möglich, wenn die Nummern personell und inhaltlich eigenständige Einheiten sind.

3. Partiell gemeinsam planen, proben und aufführen

Eine engere Zusammenarbeit läßt sich innerhalb größerer Projekte auch auf bestimmte Schlüsselszenen beschränken, in denen sich Szene und Musik ergänzen:

  1. Ein Song wird nicht in Konzertmanier vorgetragen, sondern "bebildert", entweder dadurch, daß die Schauspieler die Story nachspielen oder Elemente des Textes szenisch umsetzen.
  2. Musiker (Solosänger, Chor oder Instrumentalisten) werden zu Darstellern in der zugrundeliegenden Szene.
  3. Musik wird als dramaturgisches Mittel in einer Szene eingesetzt, z.B. zur Unterstreichung des Höhepunktes oder als letztes Mittel einer auf Steigerung angelegten Szene, in der dem Protagonisten die gesprochenen Worte nicht mehr genügen.

4. Gemeinsam das gesamte Projekt planen, proben und aufführen

Erst in dieser Art gemeinsamen musikalisch-szenischen Projektes, für das abseits der klassischen Genres noch ein Name fehlt (Wir nennen es schlicht "Musiktheater") können sich beide Künste mit dem gesamten Reichtum ihrer Mittel ergänzen. Dazu stichwortartig die Möglichkeiten musikalischer Dramaturgie:

  1. Musik kann die Stimmung auch einer Sprechszene unmittelbar eindringlich vorbereiten, untermalen oder über das Szenenende hinweg aufrechterhalten.
  2. Musik kann, liegen unterschiedliche Stimmungsebenen in einer Szene vor, eine Stimmung dominieren lassen oder verschiedene Stimmungen parallel wiedergeben.
  3. Musik kann die Struktur von Szenen oder gesamten Stücken verdeutlichen, indem Darstellern oder bestimmten Handlungsverläufen wiedererkennbare Motive, Rhythmen oder Klänge zugeordnet werden.
  4. Musik kann strukturellesElement für szenische Darstellungen sein, wie z.B. in polyrhythmischen Strukturen, die in Bewegung umgesetzt werden, oder in Variationen eines Grundthemas.

Grundlage dieser Form des Musiktheaters kann eine Textvorlage ("Per Anhalter durch die Galaxis" in "42") oder eine gemeinsame Grundidee sein, die szenische wie musikalische Mittel geradezu herausfordert (wie z.B. das Spiel mit dem Phänomen Zeit in "Heute ist morgen schon gestern").
Die Zusammenarbeit gestaltete sich in der letztgenannten Produktion wesentlich enger als in den vorausgegangenen:

  1. Szenische und musikalische Ideen wurden gemeinsam entwickelt und bildeten das strukturelle Gerüst des gesamten Stückes.
  2. Musikalische Aktionen wurden zu szenischen und umgekehrt, wie z. B. das Heraustreten eines Musikers aus seiner Rolle oder das Eintreten eines Darstellers in musikbezogene Handlungen.
  3. Szenen wurden gemeinsam entwickelt, d.h. Musiker und Darsteller veränderten in der Probe die jeweilige Grundidee weiter, bis die unterschiedliche Mittel im Sinne der dramaturgischen Wirkung optimal aufeinander abgestimmt waren.
  4. Bestimmte Musiker wurden bestimmten Darstellern zugeordnet und begleiteten sie phasenweise musikalisch.

In vielen Schultheaterstücken kann man mit Hilfe von Konservenmusik, die manchmal im letzten Augenblick von Kurs und Kurslehrer auswählt werden, einige durchaus verblüffende Effekte erzielen. Warum also sollte man sich der Mühe eines aufwendigen Projektes unterziehen?
Nach unserer Erfahrung verbietet sich der Einsatz an allen Stellen, in denen es um den Übergang von einer Kunstform in die andere geht. Zudem fällt es musisch begabten Schülern oft schwer, sich in dem schulorganisatorisch vorgesehenen Alternativwahlverfahren für eines der musischen Fächer zu entscheiden. Unser Musiktheater bietet die Möglichkeit , in mehreren Bereichen zu arbeiten. Die Beteiligten profitieren durch die unterschiedlichen Blickwinkel der Fächer auf den jeweiligen Gegenstand. Erfahrungen, die SchülerInnen in der gemeinsamen Entwicklung von Szenen gewonnen haben, zeigen sich in zunehmender Kompetenz innerhalb der Planungsgespräche. Auch dies gilt für beide Fachbereiche.

Betrachtet man die Vielschichtigkeit der Anforderungen und Arbeitsmöglichkeiten, kann man sich vielleicht ausmalen, daß es bei uns nie langweilig werden kann. Wir Kollegen, die das feste Musiktheaterteam bilden, es sind dies neben dem Autor Frau Weilbach, Herr Päßler und Herr Strunk, hoffen jedenfalls auf eine erfolgreiche Fortführung der Tradition des "Musiktheaters der Klosterschule".

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 20. November 2009 um 20:29 Uhr
 
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